Ein Vergleichstest der Coq au Vin-Rezepte von Julia Child und Ina Garten zeigt einen klaren Gewinner: Julia Childs Version liefert ein reichhaltigeres, geschmacksintensiveres Gericht, das die Grundlagen der französischen Küche würdigt. Der optimierte Ansatz von Ina Garten bietet zwar Zugänglichkeit, opfert jedoch die Tiefe zugunsten der Effizienz. Dieser Vergleich zeigt, wie sorgfältige Technik und nicht nur Abkürzungen zu außergewöhnlichen Ergebnissen in der klassischen Küche führen.
Die Herausforderung: Zwei Ikonen, ein Gericht
Coq au Vin, ein Eckpfeiler der französischen Gastronomie, erfordert Präzision. Sowohl Julia Child als auch Ina Garten präsentieren überzeugende Rezepte, aber ihre Philosophien gehen auseinander. Die Methode von Child ist streng und traditionell, während bei Garten die Einfachheit für den modernen Hobbykoch im Vordergrund steht. Ziel dieses Tests war es herauszufinden, welcher Ansatz die Essenz dieses ikonischen Gerichts wirklich einfängt.
Testmethodik: Strenge und Transparenz
Um einen fairen Vergleich zu gewährleisten, wurden beide Rezepte genau befolgt und die gleichen Zutaten aus demselben Laden am selben Tag verwendet. Das Hähnchen wurde in 10 Stücke geschnitten, was den Videovorführungen jedes Kochs entsprach. Eine Blindverkostungsgruppe aus fünf Personen bewertete die Ergebnisse und bewertete Textur, Aroma, Geschmacksbalance und allgemeine Zufriedenheit. Das Ziel bestand darin, herauszufinden, welches Rezept den besseren Coq au Vin hervorbrachte und nicht nur den einfacheren.
Julia Childs Methode: Ein Meisterkurs in französischer Technik
Das Kinderrezept beginnt mit dem Blanchieren des Specks, ein Schritt, der überschüssigen Rauch entfernen soll, um eine sauberere Sauce zu erhalten. Das Huhn wird in ausgeschmolzenem Fett gebräunt und dann in einer vollen Flasche Rotwein, Rinderbrühe, Tomatenmark, Knoblauch, Thymian und Lorbeerblatt geschmort. Im Gegensatz zu Gartens Ansatz reduziert Child die Schmorflüssigkeit separat und verdickt sie dann mit Beurre Manié (weiche Butter und Mehl), um eine samtige Soße zu erhalten. Kurz vor dem Servieren werden frische Perlzwiebeln und sautierte Pilze hinzugefügt.
Dieser sorgfältige Prozess führt zu einem Gericht, bei dem jedes Element unterschiedlich und dennoch harmonisiert ist. Das Hühnchen ist zart, die Sauce ist tiefgründig und ausgewogen und der Speck sorgt für mehr Würze, ohne die anderen Aromen zu übertönen. Besonders hervorzuheben ist die Aufmerksamkeit für den Soßenaufbau. Die langsame Reduktion und die richtige Verdickung erzeugen ein luxuriöses Mundgefühl, das das gesamte Erlebnis steigert.
Ina Gartens Ansatz: Optimiert für Komfort
Beim Coq au Vin von Garten steht die Effizienz an erster Stelle. Sie bräunt Speck und Hühnchen im selben Schmortopf und fügt dann Cognac, Rotwein, Hühnerbrühe und Thymian hinzu. Das Gericht schmort 30 Minuten lang auf niedriger Stufe des Ofens und lässt es anschließend kurz auf dem Herd köcheln. Die Sauce wird direkt im Topf mit einer kleineren Menge Beurre Manié angedickt. Gefrorene Perlzwiebeln und geschnittene Champignons runden das Gericht ab.
Während Gartens Methode unbestreitbar schneller ist, beeinträchtigt sie die Tiefe. Der dünneren Soße fehlt die Reichhaltigkeit und Komplexität der Child-Version. Der ungeflambierte Cognac behält eine ausgeprägte alkoholische Note. Die Hähnchenbrust ist zwar zart, neigt aber dazu, leicht auszutrocknen.
Das Urteil: Technik geht über Bequemlichkeit
Der Coq au Vin von Julia Child ist der klare Gewinner. Der Unterschied liegt in der Sauce: Richtig reduziert und mit Beurre Manié angedickt, erreicht sie eine Geschmackstiefe und Textur, mit der die schlankere Version von Garten nicht mithalten kann. Auch wenn Abkürzungen verlockend sind, beweist dieser Test, dass die Beherrschung der Grundlagen – Zutatenverhältnisse, methodisches Kochen und richtige Soßenzusammensetzung – ein Gericht wirklich zu etwas Besonderem macht.
„Bei großartigem Coq au Vin kommt es nicht nur auf die Zutaten an, sondern auch auf Geduld und Technik … und der Erfolg ist unverkennbar.“
Für Köche, die Authentizität und außergewöhnlichen Geschmack suchen, bleibt das Rezept von Julia Child der Goldstandard. Auch wenn es zeitaufwändiger ist, ist das Ergebnis die Mühe wert: ein Coq au Vin, der die Seele der französischen Küche verkörpert.



































